Die Wildkatze

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Wildkatzen sind keine davongelaufenen Hauskatzen. Sie wirken größer, sind kräftiger und tatsächlich wilder als unsere Stubentiger.

Prähistorische Knochenfunde belegen, dass schon unsere steinzeitlichen Vorfahren Wildkatzen recht gut gekannt haben müssen. Wildkatzen wurden schon vor mehr als 300.000 Jahren gelegentlich von Jägern und Sammlern erbeutet. Heute ist die Wildkatze allerdings für die meisten Menschen ein unbekanntes Wesen. Dabei ist sie im Gegensatz zur Hauskatze, die vermutlich von den Römern aus Afrika mitgebracht wurde, eine echte Europäerin.
Von der Hauskatze unterscheidet sie sich - abgesehen von ihrer Herkunft und ihrem Verhalten - durch Merkmale, die aus größerer Distanz nicht immer eindeutig zu erkennen sind. Hierzu zählen vor allem der buschige Schwanz mit seinem schwarzen, stumpfen Ende und drei bis vier dunklen Ringen, sowie ein an der Körperflanke verwaschen wirkendes Fell - das im Gegensatz zu dem wildfarbener Hauskatzen - keine kontrastreiche Tigerung aufweist.
Wildkatzen besitzen einen kürzeren Darm und ein im Verhältnis zur Schädellänge größeres Hirnvolumen als Hauskatzen. Diese Merkmale sind allerdings nur am toten Tier festzustellen. Im Unterschied zu Hauskatzen bleiben selbst handaufgezogene Wildkatzen meist scheu und lassen sich nur selten zähmen.
(Text geringfügig verändert aus: Mölich & Klaus, 2003: "Die Wildkatze in Thüringen" - Sonderheft Landschaftspflege und Naturschutz in Thüringen)

Vorkommen in Europa

Bis in das 20. Jahrhundert hinein waren Wildkatzen in vielen Wäldern Europas weit verbreitet. Hier haben sie sich entwickelt und Jahrtausende überlebt. Seit einigen Jahrzehnten befinden sie sich jedoch auf dem Rückzug.

Die heutigen Verbreitungsschwerpunkte liegen auf dem Balkan, der Iberischen Halbinsel, in Schottland, Italien, in Ostfrankreich bis Belgien und in Teilen West- und Mitteldeutschlands.

Aus diesem Verbreitungsmuster ergibt sich für Mitteldeutschland eine Schlüsselrolle als Bindeglied zwischen den Vorkommen in Ost- und Westeuropa.


Vorkommen in Deutschland

In Deutschland kommen Wildkatzen vor allem in der Mitte und im Südwesten vor:
ein Verbreitungszentrum umfasst die Vorkommen in Eifel, Hunsrück, Pfälzer Wald und Taunus, die vermutlich untereinander im Austausch stehen und Anschluss an die Bestände in Ostfrankreich und Belgien besitzen. Das zweite liegt im Harz, Teilen des Leine-Weserberglandes und Waldgebieten Nordthüringens bis zum Hainich.
In Bayern, wo die Wildkatze als ausgestorben galt, läuft ein Wiederansiedlungsprojekt des Bund Naturschutz Bayern.

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Vorkommen der Wildkatze in Deutschland (grün: authochthone Vorkommen, blau: potentielle Lebensräume, orange: Wiederansiedlungsgebiete, gelb: sporadische Beobachtungen)

STECKBRIEF

AUSSEHEN

Ähnlich einer wildfarbenen Hauskatze, aber buschiger Schwanz mit dunklen Ringen und stumpfem, schwarzem Ende. Fellzeichnung nicht kontrastreich, sondern verwaschen. Besonders im Winterfell gedrungen und kräftiger als die Hauskatzewirkend.

GRÖßE: 
etwa wie Hauskatze

GEWICHT:
Katzen meist um 4 kg, Kater um 5 kg

JUNGE:
2– 4, max. 6 pro Wurf, kommen zwischen März und September zur Welt; die meisten Würfe im April;
zweiter Wurf im Herbst normalerweise nur bei Verlust des Ersten

NAHRUNG:
In Mitteleuropa vor allem Mäuse; seltener und je nach Angebot: Kaninchen, Eidechsen, Frösche, Insekten, Kleinvögel; Aas nur ausnahmsweise; kaum pflanzliche Nahrung

SPUREN:
Pfotenabdruck wie Hauskatze: Rundlicher Umriss; Ballen und 4 Zehen, aber keine Krallen im Abdruck (Von den 5 Vorderzehen erscheint der Daumen nicht im Abdruck, die hinteren Pfoten haben nur 4 Zehen).

TRAGZEIT:
63 – 69 Tage

ALTER:
Etwa 7–10 Jahre, in Gefangenschaft über 15 Jahre

Wild- und Hauskatze


WILD- UND Hauskatze

Unterscheidungsmerkmale Wildkatze und Hauskatze

Merkmale

 

 Wildkatze

Image

 Hauskatze

Image

Fellfarbe

 
Grau mit cremegelbem bis ockerfarbigem Ton, weißer Kehlfleck

glänzend, große Variabilität der Graufärbung

Fellmuster


deutlich abgeschwächte verwischte Zeichnung

meist kräftig durchgezeichnet

Körperbau

plumper wirkend, da langhaarig, Läufe dick

schlanker wirkend, da kurzhaarig, Läufe dünner


Kopfform


wuchtig, breite Schnauzenform


zarter, schlanke Schnauzenregion


Schnurr- und Tasthaare

weiß, kräftig ausgebildet


schwächer ausgebildet, zuweilen hornfarbig


Nasenspiegel


hell fleischfarben


meist dunkler

Ohr


klein wirkend, da längeres Kopfhaar


groß wirkend, da kürzeres Kopfhaar

Schwanz


stumpfendig, stark buschig, über 50 % der Körperlänge


Kurzhaarig, spitzendig, bis 50 % der Körperlänge

Schwanzmusterung


deutlich dunkel abgesetzte Ringe in der hinteren Hälfte


helle Felder, silbergrau gefärbt, meist nicht so scharf abgesetzt


Krallen


hell hornfarbig


hell- oder dunkelhornfarbig

Hinterfüße


schwarze Sohlenfleckung
sehr variabel
♂ 128-178mm
♀ 115-140mm


schwarze Sohlenzeichnung
meist bis zur Ferse
♂ 110-145mm~
♀ 97-130mm

Hirnschädelinhalt


32,5-50cm
Mittel 41,25cm


20-35cm
Mittel 27,5cm

Schädelindex (Hirnschädelvolumen / Schädellänge)

<2.75

>2.75

Gesamtlänge

♂ 83-97cm
♀ 73-94

♂ 69-92cm
♀ 67-81cm

Gewicht erwachsener Exemplare

♂ 3,0 6,5 kg
♀ 2,3-4,9 kg

♂ 3,0-6,5 kg
♀ 2,0-6,5 kg

Darmlänge


♂ 120-170cm
♀ 110-150cm


♂ 165-254cm
♀ 155-220cm


Tragzeit


63-68 Tage


56-61 Tage


Zahl der Würfe im Jahr

1, selten 2

Stets mindestens 2


Jungenzahl


2-4 im Durchschnitt


4-6 im Durchschnitt



Angaben aus Grabe, H., & G. Worel (2001), nach Haltenorth (1957)
und Piechocki (1990), verändert.

 

Der kleine Eifeltiger

von Wildkatzen in der Eifel
von Manfred Trinzen, Biologische Station im Kreis Euskrichen e.V.

Während heute der Erhalt der Artenvielfalt als Verpflichtung angesehen wird, war früher das Ausrotten unerwünschter Konkurrenten, meist Beutegreifern, weit verbreitet. Dieser Tatsache verdanken" Bär, Luchs, Wolf und Fischotter ihre teils mehrhundertjährige und bis heute fortdauernde "Abwesenheit" in der Eifel. Bestrebungen im Rahmen des geplanten Nationalparks Eifel zumindest den Luchs als öffentlichkeitswirksame Geste der Wiedergutmachung wieder anzusiedeln sollten nicht den Blick davon ablenken, dass mit der Wildkatze eine ursprüngliche Katzenart in der Eifel überlebt hat, und dass der Schutz dieser Art eine rechtlich verbindliche Verpflichtung ist.

Foto: Manfred Trinzen

Die Wildkatze ist eine der seltensten einheimischen Säugetierarten. In der Roten Liste der gefährdeten Wirbeltiere in Deutschland wird die Wildkatze als stark gefährdet, in NRW als vom Aussterben bedroht eingestuft. Die Europäische Wildkatze (Felis silvestris, Schreber 1777), wie sie heute auch in der Eifel vorkommt, streift hier wahrscheinlich seit gut 8000 Jahren umher. Von der Schwesternart, der Falbkatze, der Stammform unserer Hauskatzen, trennten sich die Wege vor etwa 20.000 Jahren. Insgesamt wirkt die Wildkatze wegen ihres dichteren dicken Fells kräftiger und größer als unsere Hauskatzen. Typische Merkmale der Wildkatze sind der breite wuchtige Kopf, der dicke Schwanz mit schwarzen Ringen und schwarzem stumpfem Ende, die fleischfarbene Nase und die verwaschen getigerte Zeichnung auf graubeigem Grund. Auch im Verhalten unterscheiden sich Wildkatze und Hauskatze erheblich voneinander. Eines der wesentlichen Merkmale der Hauskatze ist ihre hohe soziale Toleranz, während die Wildkatze eher solitär lebt.

Gefährdung und Schutz

Trotz der Unterschutzstellung der Wildkatze 1934 gibt es bisher weder ausreichendes Wissen über die Lebensraumansprüche der Art, noch gab es bis vor wenigen Jahren nennenswerte Bemühungen zur praktischen Umsetzung von Schutzkonzepten. Erst in letzter Zeit wird verstärkt versucht, über Artenschutzprojekte in Rheinland-Pfalz, im Saarland, in Thüringen sowie durch das Artenschutzprojekt der Biologischen Station im Kreis Euskirchen in NRW diese Lücke zu schließen.

Foto: Manfred Trinzen

In den Bundesländern Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen liegt heute das westliche deutsche Verbreitungszentrum der Wildkatze. Die Eifel beherbergt die wohl zahlenmäßig größte und bedeutendste Wildkatzenpopulation Deutschlands. Die Verbreitung der Art ist heute auf inselartige Areale begrenzt. Da eine Vernetzung dieser Verbreitungsräume durch Waldkorridore derzeit nicht realistisch erscheint, kommt dem Erhalt der überlebensfähigen Teilpopulationen eine besondere Bedeutung zu. Hieraus ergibt sich für die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz eine besondere Verantwortung.

Foto: Hans Glader

Die aktuelle Bestandshochrechnung der Wildkatze in der Nordeifel ergibt ca. 200-250 Tiere, für die gesamte Eifel dürfte die Zahl bei etwa 1000 Wildkatzen liegen. Besiedelt werden vor allem große zusammenhängende Waldgebiete. Ein Informationsnetz zur Sammlung von Totfunden, meist Verkehrs-opfern, wurde aufgebaut. Der Vergleich der Totfunde mit historischem Material lässt den Schluss zu, dass es in der Eifel noch "reine" Wildkatzenbestände gibt. Die genetischen Untersuchungen ergaben allerdings auch, das es vereinzelt zu Kreuzungen zwischen Haus- und Wildkatze kommen kann. Das Ausmaß und die Konsequenzen für die Wildkatzenpopulation müssen weiter untersucht werden.

Die Wildkatzenpopulation in der Eifel ist insbesondere durch Zerschneidung der Lebensräume durch Verkehrswege, direkte Verkehrsmortalität, versehentliche Totfänge und zunehmende Erschließung und Beunruhigung bzw. Nutzung der Wald- und Waldrandflächen gefährdet.

Artenschutzprojekt

Foto: Hans Glader

Ziel des "Artenschutzprojektes Wildkatze" ist es, gangbare Wege aufzuzeigen, welche Strategien im Rahmen von Naturschutzmaßnahmen verfolgt werden müssen, um die Wildkatzenpopulationen zu stabilisieren bzw. die Verbreitungs-gebiete auszudehnen und zu vernetzen. In diesem Zusammen-hang kommt der Wildkatze im geplanten Nationalpark Eifel eine besondere Bedeutung zu, da sie wie keine andere verbliebene Beutegreiferart, als Leitart für große Waldgebiete gelten kann. Die Aufklärung "betroffener" Zielgruppen wie Jäger, Förster, Landwirte, Vertreter der Landespflege-behörden und Forstverwaltung, Landschaftsplaner etc. ist eine weitere wichtige begleitende Maßnahme.

Ganz aktuell stellt sich im grenznahen Raum das Schleifen der Westwallbunker als Problem für den Artenschutz dar. Jedes Jahr werden ca. 30-50 dieser Anlagen im Untersuchungsraum mit hohem finanziellen Aufwand "eingeebnet". In einigen Bunkeranlagen wurden Wildkatzen nachgewiesen, zum Teil zogen sie dort über Jahre ihre Jungen groß. Die Besiedlung höheren Lagen des Grenzgebietes scheint derzeit erst durch das Vorhandensein der Bunker, die auch in harten Wintern als Unterschlupf dienen können, möglich zu sein. Ziel muss es sein diese Anlagen, aber auch weitere für den Naturschutz relevante Anlagen zu erhalten. Derzeit erarbeitet die Biologische Station eine Studie, in der exemplarisch ca. 400 Bunkeranlagen kartiert und auf ihre naturschutzfachliche Bedeutung hin untersucht und bewertet werden.

Die derzeitige Bestandszunahme der Wildkatze ist erfreulich, bedingt aber potenziell auch eine Erhöhung der Kontaktrate zwischen Wildkatze und Hauskatze und damit die Zunahme der Gefahr von Kreuzungen und der Übertragung von Virusinfektionen von der Hauskatze auf die Wildkatzenpopulation. Ziel einer auf zwei Jahre angelegten und im Februar 2002 begonnenen Telemetriestudie der Biologischen Station im Kreis Euskirchen, bei der Wildkatzen gefangen und mit Minihalsbandsendern ausgerüstet werden, ist es, eine detaillierte umfassende Studie zur derzeitigen Situation der Wildkatze exemplarisch für die Eifel vorzulegen und eine Prognose für den Fortbestand der Art aufgrund der Analyse der Gefährdungsfaktoren zu erstellen. Derzeit streifen vier besenderte Wildkater durch das deutsch-belgische Grenzgebiet.

Die Wildkatze im Reinhardswald

Eine Statusbeschreibung auf der Grundlage einer Umfrage im Jahr 2000

Allgemeines und Verbreitung

Von der Öffentlichkeit immer noch nahezu unbemerkt hält der Reinhardswald eine besondere biologische Kostbarkeit bereit, die auf den verschiedenen "Roten Listen" in den oberen Kategorien zu finden ist und die im europäischen Schutzgebietssystem Natura 2000 als "streng zu schützenden Art von gemeinschaftlichem Interesse" eingestuft. Das "Säugetier des Jahres" 1993, die Wildkatze (Felis silvestris), auch Baumkater, Waldkater, Baumreiter oder Waldkatze genannt, gehört zur Ordnung der Raubtiere (Carnivoren) und der Familie der Katzen (Felidae). Nach längerer Diskussion über die Verwandtschaft innerhalb der 21 Unterarten wird auf Grund der genetischen Distanz zwischen den Formengruppen Felis silvestris, zu der unsere Wildkatze zählt und der Felis lybica, der Afrikanischen Falbkatze, aus der die Hauskatze hervorgegangen ist, unterschieden. Die Unterarten sind untereinander vermehrungsfähig. Deshalb sind Kreuzungen (Blendlinge) zwischen Haus- und Wildkatzen möglich.

Nach gnadenloser Verfolgung im 19. Jahrhundert schrumpften die Bestände überall zusammen. In Preußen seit 1922 unter Schutz, verhinderte erst die Schonung durch das Reichsjagdgesetz 1934 die drohende Ausrottung in Deutschland. In den jagdlichen Klassikern liest man z.B. dass es wegen ihrer rabiaten, unzähmbaren Wildheit wohl keinen Jäger geben werde, der der Wildkatze nicht unausgesetzt und ohne Rücksicht auf die Jahreszeit und den größeren Wert des Balges nachstellen und der nicht ruhen und rasten würde, bevor es ihm gelungen ist, sein Revier und sein Wild von diesem unheilvollen Gast befreit zu haben.

Bis hin zum Rotwildkalb sind ihr gewaltige jägerische Leistungen zugeschrieben worden. Präparate aus vergangener Zeit stellen sie als zähnefletschende, furchteinflössende Bestie dar. Zeichnungen aus dieser Zeit betonen ihr raubtierhaftes Aussehen.

Dietrich aus dem Winckell bemerkt, dass sich die Katze im Winter in die Walddörfer schleicht, es nicht an Raubgier und Mordlust fehle aber an Kraft und Stärke.

Ihr Balg galt als gutes Pelzwerk, hilft gegen Rheuma und Hämorrhoiden, das Fett hat roh einen unangenehmen Geruch, brennt aber ausgelassen vortrefflich in der Lampe. Man erhalte von einer wilden Katze im Spätherbst nicht selten zwei bis drei Kilogramm davon.

Landau bemerkt, dass sie im Schatten von Bär und Wolf in älteren Nachrichten nur selten vorkomme und man sie wohl wenig beachtet habe. Im Forst Wilhelmsthal seien von 1760 bis 1781 91 Katzen getötet worden. Im Oberforst Habichtswald fielen von 1785 bis 1805 jährlich über 45 Stück an. Im Reinhardswald, wo man sie wegen der alten Eichen am meisten finde, wurden von 1822 bis 1830 33 Katzen erlegt.

Größere Wildkatzenvorkommen findet man heute in Europa noch in Schottland, Frankreich, Spanien, Italien und dem Balkan. In Deutschland trägt das Land Rheinland-Pfalz eine besondere Verantwortung für diese gefährdete Art. Westlich des Rheins leben im Pfälzer Wald, dem Hunsrück und der Eifel die größten deutschen Reliktpopulationen. Ausgestorben ist die Wildkatze in Schleswig-Holstein, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen und Bayern. Allerdings wird in Bayern seit 1984 versucht, sie in umfangreichen Auswilderungsaktionen wieder heimisch zu machen. Davon profitiert auch der Hessische Spessart.

In Thüringen gilt der Hainich als interessantes Vorkommen. Kyffhäuser, Schmücke, Finne, Hainleite und Hohe Schrecke stellen die Verbindung zum wichtigen Vorkommen im Harz dar. In Niedersachsen gilt auch der Solling als wichtiges Rückzugsgebiet. Der wesentlich kleinere Bramwald weist seit den 80-er Jahren eine kleine Population auf, die offensichtlich wächst.

In Hessen gelten die Vorkommen im Rheingau und im Kaufunger Wald als gesichert. Im Meißner, in der Söhre, im Hochtaunus und im Knüll ist sie nachgewiesen. Neuerdings werden auch Wildkatzen aus dem hessischen Teil des Rothaargebirges gemeldet.

Die Population des Reinhardswaldes ist zwar in der Fachliteratur bekannt, wird jedoch häufig in allgemeinen Schilderungen unterschlagen.

Über die Höhe des Bestandes und die Entwicklungstendenz lagen hier nur Einzelaussagen vor. Die wichtigsten Informationen liefern Totfunde, die sich leider entlang der Straßen nicht vermeiden lassen. Um diese Verkehrsopfer möglichst vollständig zu erfassen, wurden im Jahr 1997 die Straßenmeisterei Oberweser sowie die Polizeistation Hofgeismar gebeten, auf derartige Funde zu achten und den Forstämtern zu melden. Das ist in mehreren Fällen geschehen. Dieser Aufruf soll an dieser Stelle auch an alle Leser des Hessenjägers gerichtet werden.

Beschreibung, Lebensraum, Lebensweise

Das vornehmlich dämmerungs- und nachtaktive Tier erreicht eine Gesamtlänge von bis zu einem Meter. Die Männchen (Kuder) wiegen im Durchschnitt etwa 5 kg, die Weibchen (Katzen) sind mit 3,5 kg deutlich kleiner. Maximalgewichte reichen bis zu 8 kg. Die Wildkatze sieht und hört hervorragend, ihre Riechleistung ist allerdings nicht so gut. Sie verfügt über einen feinen Tast- sowie einen besonders hochentwickelten Gleichgewichtssinn.

Sie faucht, spuckt, prustet, knurrt, schnurrt, maunzt, miaut und jault. Besonders auffallend ist das Jaulen des Kuders in der Ranzzeit (Paarungszeit) im Februar/März. Die weiblichen Tiere sind nach einem Jahr zuchtfähig, die Kuder nach 10 Monaten geschlechtsreif, wobei erfolgreiche Paarungen erst ab etwa 20 Monaten beobachtet wurden. Nach 68 Tagen Tragezeit werden von der zweiten Märzhälfte bis in den Juni im Mittel drei bis vier Jungtiere gesetzt, die besonders gegen Kälte und Nässe empfindlich sind. Die Verluste in der Aufzuchtszeit können sehr hoch sein. Das Geschlechterverhältnis der Jungtiere liegt bei 1:1. Ab und zu kommt es noch zu Würfen in der zweiten Augusthälfte.

Besonders wichtig sind die Unterscheidungsmerkmale von wildfarbenen Hauskatzen.

Das Fellmuster ist verwischt mit deutlichem Aalstrich, bei den Hauskatzen kräftiger. Die Grundtönung ist gelblich-braun, der Körperbau plump mit dicken Läufen gegenüber der eher schlanken Hauskatze. Die Wildkatze hat einen wuchtigen Kopf mit breiter Schnauze. Die Hauskatze sieht dagegen zart und schlank aus. Ihr Nasenspiegel ist meistens dunkel, der der Wildkatze hell fleischfarben. Ihre Ohren wirken klein im Gegensatz zu den größeren der Hauskatze. Charakteristisch ist der stark buschige, stumpfendige Schwanz mit mehreren deutlich dunklen Ringen und dem dunklen Schwanzende der Wildkatze. Ihre Schnurrhaare sind weiß und besonders kräftig. Ihre helle Krallenfarbe unterscheidet sich von den dunklen der Hauskatze.

Bei toten Exemplaren kann die Darmlänge als sicheres Merkmal herangezogen werden, die bei der Wildform immer unter 150 cm liegt. Die Hauskatzen haben wesentlich längere Därme. Im Durchschnitt weisen sie 200 cm auf. Die Nahrung besteht in erster Linie aus Mäusen. Vögel, Amphibien und Reptilien, Eichhörnchen, Bilche, Hasen und Kaninchen nehmen einen deutlich geringeren Anteil ein.

Ihr Primärlebensraum ist der Wald mit genügend trockenen und warmen Plätzen. Sie meidet hohe Schneelagen und sucht Unterschlupf in hohlen Bäumen, Wurzeltellern, Reisighaufen, Fuchs- und Dachsbauten, Holzstapeln und auch in Wildfütterungen, Schuppen, Hütten und Felsspalten.

Der Nadelwald gehört aus Nahrungsmangel nicht zu ihrem natürlichen Habitat. Sie liebt Naturverjüngungen, Dickichte, Hecken, die Nähe von Gewässern, Buchenhangwälder und meidet nasse Partien. Zahlreiche Randeffekte fördern das Nahrungsangebot und bieten ihr Deckung. Sie liebt die Ungestörtheit.

Lebensräume bis zu 400 m über NN liegen im Optimum, da dort durch meist geringere Schneehöhe die Beute gut erreichbar ist. Auch die Lagen zwischen 400 und 600 m sind noch dauerhaft besiedelbar, zeigen aber bereits klimatische Beeinträchtigungen. Insgesamt suchen Wildkatzen Gebiete auf, die eine große Vielfalt an Biotopstrukturen, ausreichend Nahrung und Ruhe aufweisen. Sie leben als Einzelgänger. Dabei kommt es kaum zu einer Überlagerung der gleichgeschlechtlichen Streifgebiete.

Die Reviergrößen sind je nach Ausstattung höchst unterschiedlich und bisher wenig erforscht. Für männliche Tiere werden Größen von z.T. mehr als 1.000 ha genannt. Weibliche Tiere sollen mit weit weniger Fläche zufrieden sein. Die verschiedenen Angaben liegen bei etwa 250 ha pro Tier.

Als natürliche Feinde kommen der Luchs, der Uhu, die Adler, der Habicht, der Fuchs und der Marder in Frage. Der Waschbär tritt als Habitatkonkurrent in Erscheinung.

Fehlabschüsse sind inzwischen in Deutschland wohl selten geworden. Bedauerlich bleiben Verluste durch die Fallenjagd. Erfreulicherweise haben Hegeringe um den Reinhardwald herum freiwillig auf den Einsatz von Totschlagfallen verzichtet.

Entscheidend für den Erhalt dieser Tierart aber ist das Maß der weiteren Lebensraumzerstörung durch Straßen, den Landschaftsverbrauch und die Zerschneidung der notwendigen großen zusammenhängenden Waldgebiete sowie die Erschließung der Waldränder. Ebenso wird sie sich nicht an Dauerstörungen durch Touristen und andere Waldbesucher gewöhnen.

Vorsichtige Schätzungen liegen bei einem Gesamtbestand in der Bundesrepublik von etwa 1.500 Exemplaren. Vielleicht sind es inzwischen auch einige mehr geworden. Man geht dabei von einer positiven Ausbreitung in den Jahren 1945 bis 1950 aus, die dann durch den "Fortschritt in der BRD" einen Rückschlag erhielt. Bis zum Ende der 60-er Jahre soll der Bestand dann stagniert haben. Trotz zahlreicher Negativfaktoren für den Wildkatzenbestand mehren sich die Hinweise auf eine leichte Zunahme der Population.

Umfrage 2000

Das starke bundesweite Interesse an dieser Tierart und die wachsende Diskussion über Beobachtungen im Reinhardswald veranlasste die drei Reinhardswaldforstämter (Bad Karlshafen, Gahrenberg und Reinhardshagen), zu Beginn des Jahres 2000 eine Fragebogenaktion durchzuführen, um möglichst viele Informationen aus den unterschiedlichsten Kreisen zu diesem Thema zu sammeln und auszuwerten. Damit sollte ein Beitrag zur lokalen Situation der Wildkatze geliefert werden, die Information der Öffentlichkeit erfolgen können und schließlich auch die Möglichkeit von Hilfsmaßnahmen deutlicher werden.

Da im Gegensatz zu den anderen Elementen unserer Fauna, wie z.B. Storch, Rotmilan, Rothirsch, Fuchs oder Kuckuck, Wildkatzen besonders scheu sind und sich ausgesprochen unauffällig verhalten, liegen für präzise Aussagen zu wenige Beobachtungen vor. Der Inhalt der zehn Fragen war deshalb so allgemein gefasst, dass eine unglaubwürdige Scheingenauigkeit unterbunden wurde. Es bleibt also von der Natur der Sache her ein größerer Streurahmen als allgemein üblich. Jedenfalls ist mit dieser Erhebung versucht worden, ein Maximum an Informationen zu gewinnen. Diese Grundproblematik deckt sich mit den Erfahrungen anderer Autoren zum gleichen Thema in verschiedenen Vorkommensgebieten.

Jedes Forstamt versorgte alle aktiven Forstbeamten, Jagdpächter, regelmäßigen Jagdgäste, Naturbeobachter und weitere Personen, von denen man Aussagen erwarten konnte, mit den Fragebögen. Besonderer Wert wurde auf die Einbeziehung der Pensionäre gelegt, um möglichst weit zurückreichende Erfahrungen erfassen zu können.

Das Beobachtungsgebiet reicht von Bad Karlshafen bis Wilhelmshausen, wird im Osten von Weser und Fulda, im Westen von Diemel und Esse und im Süden von den Feldgemarkungen begrenzt. Es erfasst mithin den eigentlichen Reinhardswald, dessen Waldfläche etwa 20.000 ha umfasst. Diese Größe gilt in der Literatur übrigens häufig als Mindestfläche für eine tragfähige Population.

Die Reaktion auf den Fragebogen war ausgesprochen positiv. 65 Bögen gingen in die Auswertung ein und decken das gesamte Untersuchungsgebiet vollständig ab. Grundsätzlich spricht aus allen Antworten eine besondere Vorsicht und Zurückhaltung. Man traut sich einfach nicht, angesichts der vorgenannten Beobachtungsschwierigkeiten, Schlüsse zu ziehen, die auf schwachen Füßen stehen.

Ergebnisse

Nur drei Probanden konnten keinerlei Angaben machen.

Besonderes Interesse wurde der Frage beigemessen, ob Wildkatzen vor, während oder in den ersten Jahren nach dem 2. Weltkrieg beobachtet worden sind. Hierdurch sollte untersucht werden, ob die Tradition des Vorkommens aus dem 19. Jahrhundert unterbrochen worden ist. Dann müsste die jetzige Population durch Zuwanderung entstanden sein.

In keinem Antwortbogen findet sich ein Hinweis auf Beobachtungen vor dem Krieg. Auch Lehmann, in den dreißiger Jahren an der Sababurg aufgewachsen, äußert auf Nachfrage, dass ihm aus dieser Zeit nichts über Wildkatzen in Erinnerung sei.

Neun Antworten deuten aber darauf hin, dass in den ersten Jahren nach Kriegsende Wildkatzen beobachtet worden sind. Diese Meldungen beziehen sich alle auf den Bereich des nördlichen Reinhardswaldes. Es wird auch die Vermutung geäußert, dass die Wiederbesiedlung in dieser Zeit aus dem Solling über Karlshafen erfolgt ist. Die Weser stellt kein unüberwindliches Hindernis dar. Schilling berichtet, dass kürzlich eine besenderte Katze aus dem Solling eindeutig die Weser durchquert habe.

Die Antworten auf die Frage, seit wann man von Wildkatzen im Reinhardswald gehört habe und zwar von wem und in welchem Bereich, hängen vom Lebensalter sowie dem individuellen Hintergrund des Probanden ab. Die Personen mit einer erst kurzen Beobachtungs- bzw. Anwesenheitszeit in der Region haben i.d.R. erstaunlich schnell von dem Vorkommen gehört, ein Zeichen für den wohl hohen Stellenwert, den diese Wildart inzwischen hier erlangt hat.

Die älteste Meldung bezieht sich auf das Jahr 1950, acht weitere Angaben auf die Jahre bis 1969. Auch hier handelt es sich bis auf eine Ausnahme um Meldungen aus der nördlichen Hälfte.

Auch die Frage, seit wann man selbst Wildkatzen beobachtet habe und ob dies "einmal", "selten" oder "regelmäßig" geschehen sei, konnte nur aus der Subjektivität der Beobachtungsmöglichkeit und der -intensität heraus beantwortet werden. Deshalb erfolgte die Auswertung auch nicht anonym. Die Bewertung der persönlichen Situation des Antwortenden ließ sich nicht umgehen.

Das Resultat war eindeutig: 28 Personen gaben an, die Katzen regelmäßig zu sehen. 26 Beobachter stoßen nur selten auf den heimlichen Beutegreifer. Besonders wichtig ist, dass nahezu alle Beobachter, die ständig im Wald unterwegs sind, also Förster und Forstamtsleiter, zur ersten Gruppe zählen. Lediglich vier Förster nannten die Beobachtungsintensität "selten". Vielleicht nicht ganz zufällig, sind das auch die Revierleiter, die erst seit kurzem im Reinhardswald tätig sind.

Das Verteilungsmuster über die Waldfläche lässt den Schluss zu, dass überall mit einer ähnlichen Wahrscheinlichkeit mit Beobachtungen gerechnet werden kann. Das gilt sowohl für das Kerngebiet im Inneren des Areals wie für die Weserhänge und Waldränder im Osten sowie die Randlagen in Hombressen, Beberbeck und Gottsbüren, Hümme und Schöneberg.

Lange Zeit wurde im Zusammenhang mit der Wildkatzenfrage die Problematik der "Blendlinge", also der Kreuzungen mit Hauskatzen diskutiert. Gerade bei Abschüssen wildfarbener Tiere in Ortsnähe oder Verkehrsopfern im Wald blieben echte Wildkatzen oft unentdeckt, weil man aus Unkenntnis oder vorsichtiger Zurückhaltung nicht wahrhaben wollte, dass es sich tatsächlich um ein Exemplar dieser seltenen Tierart handelte. Inzwischen ist man sich einig, dass die intolerante, revierbezogene Lebensweise der Wildkatze das Eindringen von männlichen Hauskatzen in den Wald wohl weitgehend verhindert. Es erscheint wahrscheinlicher, dass Kuder in Dorfnähe Kontakt zu weiblichen Hauskatzen bekommen, deren Nachwuchs dann im Ortsbereich aufwächst.

Inzwischen kann man deshalb in typischen Wildkatzenrevieren grundsätzlich eher davon ausgehen, dass wildfarbene Verkehrsopfer auch echte Wildkatzen sind. Die Funde der letzten Jahre im Reinhardswald bestätigen diese Theorie ohne Ausnahme.

Bei der Umfrage sollte dieses Thema auch angesprochen werden. Die Frage lautete: Ich habe "nie", "selten" oder "immer wieder" Hauskatzen im Beobachtungsgebiet der Wildkatzen gesehen.

Neun Prozent sahen oder sehen immer wieder Hauskatzen. Alle Antworten dieser Art beziehen sich auf Reviere in Ortsrandlage. 40 Prozent gaben an, nie Hauskatzen dort gesehen zu haben und 51 Prozent bezeichnen ihre Beobachtungen als "selten". Gerade in den Kernrevieren muss das Antreffen einer Hauskatze als absolute Seltenheit eingestuft werden. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass Hauskatzen auf Grund ihrer Färbung und geringen Scheu leichter zu beobachten sind, tritt die Frage der Kreuzungen eigentlich deutlich in den Hintergrund. Jeder Wanderer, der zufällig im Reinhardswald eine Katze sieht, kann davon ausgehen, dass er die in ganz Mitteleuropa seltene Gelegenheit hatte, eine Wildkatze zu beobachten. Das trifft in gleicher Weise für den nächtlichen Autofahrer zu.

Zur Flächenverbreitung sollte auch die Frage Erkenntnis liefern, ob im Beobachtungsgebiet des Probanden die Katzen "nicht", "nur an wenigen Stellen" oder "wahrscheinlich überall" vorkommen. Die Antworten spiegeln die Struktur des jeweiligen Gebietes wider. 40 Prozent vermuten die Wildkatzen nur an wenigen Stellen. Das trifft vornehmlich die Randbereiche mit geringerem Waldanteil wie Reinhardshagen oder Deisel. Die Mehrzahl (60 Prozent) der Befragten geht von einer flächendeckenden Verbreitung aus. Das trifft wiederum praktisch für alle Kernreviere des Waldes zu.

Trotz aller Subjektivität kommt der Frage, ob nach Meinung des Beobachters der Wildkatzenbestand abnimmt, wächst oder gleich bleibt, eine besondere Aussage zu. Erfreulicherweise ist auch in diesem Punkt eine besondere Zurückhaltung zu erkennen. Immerhin ist es z.B. bei einem geschätzten Bestand von vier Exemplaren eines Beobachtungsgebietes schwer feststellbar, ob sich hier Auf- oder Abwärtsbewegungen feststellen lassen. Schließlich hängt der Wert einer solchen Antwort auch von der Beobachtungsdauer ab. Außerdem besteht die Gefahr, dass bei einer wachsenden Diskussion des Themas "Wildkatze" und einem entsprechend wachsenden Erfahrungs- und Informationsaustausch über Beobachtungen, die Meinung suggeriert wird, der Bestand nehme zu. Unter diesen Vorbehalten ist erfreulich, dass keine Hinweise auf eine Bestandsabnahme deuten.

23 Antworten stufen die Entwicklung als "gleichbleibend" ein. Gleichviel Beobachter meinen, dass der Bestand ansteige.

Der Kernpunkt der Thematik richtet sich natürlich auf die Höhe der Population und dort wird auch wohl das Hauptinteresse der Leser zu suchen sein. Bei allen bereits vorher gemachten Einschränkungen zu Aussagen über diese Frage ist das Ergebnis erfreulich. Praktisch alle Antworten liegen auf einem Niveau. Man hält sich mit einer Aussage zurück, macht lieber ein Fragezeichen. Keine Antwort liegt in utopischer, im Literaturvergleich unglaublicher Höhe. Die Angaben gleichen sich auf die Dichte pro 100 ha bezogen erstaunlich gut. Für die Vermutung von Absprachen unter den Probanden besteht kein Anlass. Mehrere Aussagen sind zudem in Interviewform zu Stande gekommen. Fasst man die Einzelangaben zusammen und stimmt diese in Gebieten mit mehreren Beobachteraussagen ab, so ergibt sich eine Gesamtzahl von etwa 80 Wildkatzen für den gesamten Reinhardswald. Das entspricht einer Dichte von 250 ha pro Tier und liegt sehr gut im Rahmen der Literaturangaben.

Zusammenfassung

Im ersten Halbjahr 2000 fand die erste umfassende Untersuchung über das Wildkatzenvorkommen des Reinhardswaldes statt. In einer Umfrageaktion wurden sämtliche Personen angesprochen, von denen eine Aussage zu diesem Thema erwartet werden durfte.

Der Vergleich der natürlichen Biotop- und Habitatausstattung mit den Literaturangaben lässt das gesamte Waldgebiet einschließlich seiner Randzonen als optimalen Lebenslauf erscheinen. Hohe Strukturvielfalt, flächendeckende Randeffekte, alte Bäume, Baumhöhlen, Wurzelteller, Reisig- und Holzlager, Schuppen, alte Fütterungen, unterdurchschnittliche Wegedichte, extensive Waldbewirtschaftung auf größerer Fläche und der Nutzungsverzicht der Forstverwaltung in Altholzinseln oder etwa 400 ha Huteeichen bieten der Wildkatze ideale Lebensbedingungen mit teilweise hohem "Wildnischarakter". Die geringe Zerschneidung durch Straßen oder andere Störfaktoren sowie außergewöhnliche Ruhe auf der Fläche, auch durch eine effizienzorientierte beunruhigungsarme Jagdausübung in der staatlichen Regiejagd gestützt, steigern den Biotopwert des Gebietes. Selbst die raueren klimatischen Verhältnisse auf der Hochfläche schränken die Besiedlung nicht ein.

Ob das Wildkatzenvorkommen Mitte des 20. Jahrhunderts erloschen oder auf einen geringen Restbestand reduziert war, ließ sich nicht feststellen. Ab 1960 mehren sich die Beobachtungen, die auch den Schluss zulassen, dass eine Wiederbesiedlung aus dem Solling stattgefunden haben könnte. Es spricht zumindest nichts gegen die Annahme, dass Katzen von dort den hiesigen Bestand ergänzt haben. Einen positiven Einfluss könnten auch die Windwurfkatastrophen 1972 und 1976 gehabt haben, durch die auf größeren Flächen für einige Jahre ideale Lebensbedingungen entstanden sind.

Inzwischen ist die gesamte Fläche einschließlich der Randzonen etwa gleichdicht besiedelt. Wildkatzen werden überall regelmäßig beobachtet. Im Winter 1999/2000 konnte selbst weniger als 500 m vom stark frequentierten Parkplatz am NSG "Urwald Sababurg" entfernt eine Wildkatze nachgewiesen werden. Im Juli 2000 zeigte sich eine Wildkatze am Ortsrand des Tierparks Sababurg. Unter Berücksichtigung aller Einschränkungen wird in aller Vorsicht der augenblickliche Bestand auf etwa 80 Exemplare geschätzt.

Damit liegen im Reinhardswald ideale Bedingungen vor, um dieser gefährdeten Tierart mit europäische Bedeutung einen Lebensraum zu bieten, der aus Artenschutzgründen einen außergewöhnlichen Rang hat und dessen Bedeutung bei allen raumplanerischen und infrastrukturellen Vorhaben zu berücksichtigen ist.

Die Wildkatze, ein Markenzeichen des Reinhardswaldes, für deren Fortbestand eine nationale Verantwortung besteht.


Quellen:
Bund Naturschutz in Bayern e.V.: Die Wildkatze und ihre Wiedereinbürgerung in Bayern, Heft 6 Juli 1991; München
Bund Naturschutz in Bayern e.V.: Die Wildkatze in Deutschland, Heft 13 Oktober 1994; München
Knapp, Jutta / Hermann, Mathias / Trinzen, Manfred: Artenschutzprojekt Wildkatze in Rheinland-Pfalz; ÖKO-LOG GdbR, Landau 1997
Landau, Georg: Die Geschichte der Jagd und der Falknerei in beiden Hessen; Verlag Theodor Fischer, Kassel 1849, Nachdruck Horst Hamecher Verlag, Kassel 1992
Lehmann, Gerhard, Forstamtsrat a.D., Marburg: schriftlich; 1999
Müller-Using, Detlev: Diezels Niederjagd; 16. Auflage, Verlag Paul Parey, Hamburg 1954
Piechocki, Rudolf: Die Wildkatze; Neue Brehm-Bücherei, A. Ziemsen Verlag, Wittenberg 1990
Piganeau, Caroline: Die Wildkatze im Bramwald, Erkenntnisse zur Verbreitung und zum Lebensraum; Dipl. Arbeit GHK FB 11, Witzenhausen 1997
Schilling, Götz, Forstamtmann, Oberweser: mündlich; 2000
Ssymank, A. und andere: Das europäische Schutzgebietssystem 2000; Bundesamt für Naturschutz, Bonn 1998
Aus dem Winckell, Dietrich: Handbuch für Jäger und Jagdliebhaber; Dritte Auflage, Verlag J. Neumann, Neudamm 1898

Dr. Wilfried Dietze, Hubertus Fröhlich, Hermann-Josef Rapp und Dr. Norbert Teuwsen

Wildkatzen im Spessart

Engagement für eine sichere Zukunft

"Wald ohne Anfang und Ende", so wird der Spessart auch genannt, der als das größte Mischwaldgebiet Deutschlands gilt. Einst jagten dort Luchs, Wolf, Bär und auch die Wildkatze, aber der Mensch hat sie vertrieben. Doch seit mehr als 15 Jahren bemühen sich nun der Bund Naturschutz und das Forstamt Rothenbuch im Spessart wieder darum Wildkatzen heimisch zu machen. Ein schwieriges Unterfangen!

Der Förster Hubert GebhardDie Wildkatzen sollen wieder im Spessart heimisch werden

Wenn es dunkel wird kommt Leben in die Aufzuchtstation. Die nachtaktiven Wildkatzen wachsen gut versteckt, mitten im tiefen Spessartwald auf. Nur wenige Tage sind diese Kätzchen alt. Die Mutter zieht sie alleine auf. Trockene und warme Baumhöhlen eignen sich besonders gut als Wohnstuben - nur sind diese im deutschen Wirtschaftswald rar geworden. Die Wildkatze, eine Verwandte unseres Stubentigers ist extrem scheu und ein Einzelgänger. Um sich ihre alte Heimat, den Spessart wieder zurückzuerobern braucht die Wildkatze Hilfe und die kommt von Hubert Gebhard. Seit mehr als 15 Jahren bemüht sich der Förster von Rothenbuch um die Wiederansiedlung. Für ihn ein Stück Wiedergutmachung. Denn einst verfolgten Jäger die Wildkatze erbarmungslos - 1916 wurde in Bayern die letzte geschossen. So manchen Urlaub hat Gebhard schon für die Katzen geopfert. Tauben- und Kaninchenzüchter aus der Umgebung versorgen ihn mit Futter. Stets sind die Samtpfoten auf der Hut: Unzähmbar, ein echtes Stück Wildnis eben.

Mit 2.000 Quadratkilometer ist der Spessart der größte zusammenhängende Laubwald Europas. Ideal für die Wildkatze, denn die braucht große Reviere. Von den nachtaktiven Vierbeinern gibt es gerade mal noch 1.400 in Deutschland. Deren Schicksal vereint nun Politiker, Landesplaner und Naturschützer in einem großangelegten Modellprojekt. Die letzten Rückzugsgebiete liegen in Bayern, Hessen und Thüringen. Sie sollen miteinander verbunden werden. Um Gebhards Aufzuchtsstation spannt sich gleichsam ein Rettungsnetz für "die kleinen Tiger". Zwischen Nationalpark Hainich und Thüringer Wald sollen grüne Korridore entstehen und der Wildkatze den Weg in eine sichere Zukunft bahnen. Ein Millionenprojekt, doch es geht um die wohl größte Wildkatzenpopulation Mitteleuropas.

Zurück zu Förster Gebhard. Besuch von Tierarzt. Dr. Frank Hagemann spritzt dem kleinen Kater einen Chip unters Fell - ungefährlich für das Tier. Wichtig jedoch für seine Identifikation. Zudem nimmt der Förster für wissenschaftliche Untersuchungen Haarproben. So lassen sich die Vierbeiner leicht genetisch identifizieren. Mit verlässlichen Ergebnissen rechnet Gebhard erst in einem Jahr. Eines ist jetzt schon sicher: Nur eine naturnahe Waldbewirtschaftung bietet der Wildkatze ausreichend Lebensraum. So liegt in Gebhards Revier reichlich Totholz. Und damit schuf der Förster von Rothenbuch wieder Lebensraum für die Wildkatze. 75 hat er bereits großgezogen. Nur jede zweite Katze überlebt das erste Jahr nach der Auswilderung. Es braucht also noch viel Zeit und Engagement bis die Wildkatze in eine sichere Zukunft blickt.

web

Der kleine Eifeltiger

von Wildkatzen in der Eifel
von Manfred Trinzen, Biologische Station im Kreis Euskrichen e.V.

Während heute der Erhalt der Artenvielfalt als Verpflichtung angesehen wird, war früher das Ausrotten unerwünschter Konkurrenten, meist Beutegreifern, weit verbreitet. Dieser Tatsache verdanken" Bär, Luchs, Wolf und Fischotter ihre teils mehrhundertjährige und bis heute fortdauernde "Abwesenheit" in der Eifel. Bestrebungen im Rahmen des geplanten Nationalparks Eifel zumindest den Luchs als öffentlichkeitswirksame Geste der Wiedergutmachung wieder anzusiedeln sollten nicht den Blick davon ablenken, dass mit der Wildkatze eine ursprüngliche Katzenart in der Eifel überlebt hat, und dass der Schutz dieser Art eine rechtlich verbindliche Verpflichtung ist.

Foto: Manfred Trinzen

Die Wildkatze ist eine der seltensten einheimischen Säugetierarten. In der Roten Liste der gefährdeten Wirbeltiere in Deutschland wird die Wildkatze als stark gefährdet, in NRW als vom Aussterben bedroht eingestuft. Die Europäische Wildkatze (Felis silvestris, Schreber 1777), wie sie heute auch in der Eifel vorkommt, streift hier wahrscheinlich seit gut 8000 Jahren umher. Von der Schwesternart, der Falbkatze, der Stammform unserer Hauskatzen, trennten sich die Wege vor etwa 20.000 Jahren. Insgesamt wirkt die Wildkatze wegen ihres dichteren dicken Fells kräftiger und größer als unsere Hauskatzen. Typische Merkmale der Wildkatze sind der breite wuchtige Kopf, der dicke Schwanz mit schwarzen Ringen und schwarzem stumpfem Ende, die fleischfarbene Nase und die verwaschen getigerte Zeichnung auf graubeigem Grund. Auch im Verhalten unterscheiden sich Wildkatze und Hauskatze erheblich voneinander. Eines der wesentlichen Merkmale der Hauskatze ist ihre hohe soziale Toleranz, während die Wildkatze eher solitär lebt.

Gefährdung und Schutz

Trotz der Unterschutzstellung der Wildkatze 1934 gibt es bisher weder ausreichendes Wissen über die Lebensraumansprüche der Art, noch gab es bis vor wenigen Jahren nennenswerte Bemühungen zur praktischen Umsetzung von Schutzkonzepten. Erst in letzter Zeit wird verstärkt versucht, über Artenschutzprojekte in Rheinland-Pfalz, im Saarland, in Thüringen sowie durch das Artenschutzprojekt der Biologischen Station im Kreis Euskirchen in NRW diese Lücke zu schließen.

Foto: Manfred Trinzen

In den Bundesländern Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen liegt heute das westliche deutsche Verbreitungszentrum der Wildkatze. Die Eifel beherbergt die wohl zahlenmäßig größte und bedeutendste Wildkatzenpopulation Deutschlands. Die Verbreitung der Art ist heute auf inselartige Areale begrenzt. Da eine Vernetzung dieser Verbreitungsräume durch Waldkorridore derzeit nicht realistisch erscheint, kommt dem Erhalt der überlebensfähigen Teilpopulationen eine besondere Bedeutung zu. Hieraus ergibt sich für die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz eine besondere Verantwortung.

Foto: Hans Glader

Die aktuelle Bestandshochrechnung der Wildkatze in der Nordeifel ergibt ca. 200-250 Tiere, für die gesamte Eifel dürfte die Zahl bei etwa 1000 Wildkatzen liegen. Besiedelt werden vor allem große zusammenhängende Waldgebiete. Ein Informationsnetz zur Sammlung von Totfunden, meist Verkehrs-opfern, wurde aufgebaut. Der Vergleich der Totfunde mit historischem Material lässt den Schluss zu, dass es in der Eifel noch "reine" Wildkatzenbestände gibt. Die genetischen Untersuchungen ergaben allerdings auch, das es vereinzelt zu Kreuzungen zwischen Haus- und Wildkatze kommen kann. Das Ausmaß und die Konsequenzen für die Wildkatzenpopulation müssen weiter untersucht werden.

Die Wildkatzenpopulation in der Eifel ist insbesondere durch Zerschneidung der Lebensräume durch Verkehrswege, direkte Verkehrsmortalität, versehentliche Totfänge und zunehmende Erschließung und Beunruhigung bzw. Nutzung der Wald- und Waldrandflächen gefährdet.

Artenschutzprojekt

Foto: Hans Glader

Ziel des "Artenschutzprojektes Wildkatze" ist es, gangbare Wege aufzuzeigen, welche Strategien im Rahmen von Naturschutzmaßnahmen verfolgt werden müssen, um die Wildkatzenpopulationen zu stabilisieren bzw. die Verbreitungs-gebiete auszudehnen und zu vernetzen. In diesem Zusammen-hang kommt der Wildkatze im geplanten Nationalpark Eifel eine besondere Bedeutung zu, da sie wie keine andere verbliebene Beutegreiferart, als Leitart für große Waldgebiete gelten kann. Die Aufklärung "betroffener" Zielgruppen wie Jäger, Förster, Landwirte, Vertreter der Landespflege-behörden und Forstverwaltung, Landschaftsplaner etc. ist eine weitere wichtige begleitende Maßnahme.

Ganz aktuell stellt sich im grenznahen Raum das Schleifen der Westwallbunker als Problem für den Artenschutz dar. Jedes Jahr werden ca. 30-50 dieser Anlagen im Untersuchungsraum mit hohem finanziellen Aufwand "eingeebnet". In einigen Bunkeranlagen wurden Wildkatzen nachgewiesen, zum Teil zogen sie dort über Jahre ihre Jungen groß. Die Besiedlung höheren Lagen des Grenzgebietes scheint derzeit erst durch das Vorhandensein der Bunker, die auch in harten Wintern als Unterschlupf dienen können, möglich zu sein. Ziel muss es sein diese Anlagen, aber auch weitere für den Naturschutz relevante Anlagen zu erhalten. Derzeit erarbeitet die Biologische Station eine Studie, in der exemplarisch ca. 400 Bunkeranlagen kartiert und auf ihre naturschutzfachliche Bedeutung hin untersucht und bewertet werden.

Die derzeitige Bestandszunahme der Wildkatze ist erfreulich, bedingt aber potenziell auch eine Erhöhung der Kontaktrate zwischen Wildkatze und Hauskatze und damit die Zunahme der Gefahr von Kreuzungen und der Übertragung von Virusinfektionen von der Hauskatze auf die Wildkatzenpopulation. Ziel einer auf zwei Jahre angelegten und im Februar 2002 begonnenen Telemetriestudie der Biologischen Station im Kreis Euskirchen, bei der Wildkatzen gefangen und mit Minihalsbandsendern ausgerüstet werden, ist es, eine detaillierte umfassende Studie zur derzeitigen Situation der Wildkatze exemplarisch für die Eifel vorzulegen und eine Prognose für den Fortbestand der Art aufgrund der Analyse der Gefährdungsfaktoren zu erstellen. Derzeit streifen vier besenderte Wildkater durch das deutsch-belgische Grenzgebiet.

Wëllkazen zu Lëtzebuerg

Och zu Lëtzebuerg ginn et zenter e puer Joer nees richteg europäesch Wëllkazen.
Si komme méi wéi secher duerch de Schutzprogramm deen an der Eifel gemaach gëtt fir des Déieren nees bei eis unzesiedelen.

Si waren a ganz Europa um Ausstierwen, sinn dat ganzt Joer absolut geschützt an dierfen net gejot oder verdriwe gin.

Mir haten 2006 d'Chance, ee Baby opzezillen deen am Besch fonnt gi war an deen um Punkt war vir z'erhengeren.


Kleng Wellkaz 3
Dëse klenge Butz vu knapp 4 Wochen huet matten am Besch esou haart gejaut bis eng Fra e fonnt hat.

Awer en huet du scho gegrommelt wéi e groussen.

Mir hate séier eraus datt et keen normale Kazebébé war. Et war eng echt kleng Wëllkaz.

  No enger Zait huet et kleng Stoffmäis gleich ausenee gehol.
Dat war de Moment wou et doudeg Eintagsküken huet misse bei sein normalt Fudder kréien. 
 
Hatt huet gespillt wéi all kleng Kaz.
Mat Virléift huet et awer am Waasser gepuddelt.
 
   Seng Nues ass fleeschfaarweg, d'Faarw vu sengem Pelz gëtt verwäsch an de Schwanz gëtt déck a kritt déi typesch déck schwaarz Reefer.  
   Mat 5 Méint ass se op Diddeleng an d'Wëldstatioun komm fir iwwert de Wanter ausgeweldert ze gin.  
Eng Fellprouf ass an d'Universitéit Tübingen gescheckt ginn fir hir Genen ze kucken an se an ee Projet iwer Wëlkazen opzehuelen.

Am Mee 2007 as se an engem Naturschutzgebiet freigelooss gin.


Wann Dir esou e Baby am Bësch fannt, pakt se net un a vergewëssert Iech vir d'éischt op keng Mudder an der Géigend as. Informéiert direkt de Fierschter.
Wann et effektiv e Weesekand ass da soll se esou séier wéi méiglech an d'Wëldstatioun op Diddeleng bruecht gin.
Weider Informatiounen iwert d'Wëllkazen zu Letzebuerg.

Noutdengscht