Wildkatzen im Spessart

Engagement für eine sichere Zukunft

"Wald ohne Anfang und Ende", so wird der Spessart auch genannt, der als das größte Mischwaldgebiet Deutschlands gilt. Einst jagten dort Luchs, Wolf, Bär und auch die Wildkatze, aber der Mensch hat sie vertrieben. Doch seit mehr als 15 Jahren bemühen sich nun der Bund Naturschutz und das Forstamt Rothenbuch im Spessart wieder darum Wildkatzen heimisch zu machen. Ein schwieriges Unterfangen!

Der Förster Hubert GebhardDie Wildkatzen sollen wieder im Spessart heimisch werden

Wenn es dunkel wird kommt Leben in die Aufzuchtstation. Die nachtaktiven Wildkatzen wachsen gut versteckt, mitten im tiefen Spessartwald auf. Nur wenige Tage sind diese Kätzchen alt. Die Mutter zieht sie alleine auf. Trockene und warme Baumhöhlen eignen sich besonders gut als Wohnstuben - nur sind diese im deutschen Wirtschaftswald rar geworden. Die Wildkatze, eine Verwandte unseres Stubentigers ist extrem scheu und ein Einzelgänger. Um sich ihre alte Heimat, den Spessart wieder zurückzuerobern braucht die Wildkatze Hilfe und die kommt von Hubert Gebhard. Seit mehr als 15 Jahren bemüht sich der Förster von Rothenbuch um die Wiederansiedlung. Für ihn ein Stück Wiedergutmachung. Denn einst verfolgten Jäger die Wildkatze erbarmungslos - 1916 wurde in Bayern die letzte geschossen. So manchen Urlaub hat Gebhard schon für die Katzen geopfert. Tauben- und Kaninchenzüchter aus der Umgebung versorgen ihn mit Futter. Stets sind die Samtpfoten auf der Hut: Unzähmbar, ein echtes Stück Wildnis eben.

Mit 2.000 Quadratkilometer ist der Spessart der größte zusammenhängende Laubwald Europas. Ideal für die Wildkatze, denn die braucht große Reviere. Von den nachtaktiven Vierbeinern gibt es gerade mal noch 1.400 in Deutschland. Deren Schicksal vereint nun Politiker, Landesplaner und Naturschützer in einem großangelegten Modellprojekt. Die letzten Rückzugsgebiete liegen in Bayern, Hessen und Thüringen. Sie sollen miteinander verbunden werden. Um Gebhards Aufzuchtsstation spannt sich gleichsam ein Rettungsnetz für "die kleinen Tiger". Zwischen Nationalpark Hainich und Thüringer Wald sollen grüne Korridore entstehen und der Wildkatze den Weg in eine sichere Zukunft bahnen. Ein Millionenprojekt, doch es geht um die wohl größte Wildkatzenpopulation Mitteleuropas.

Zurück zu Förster Gebhard. Besuch von Tierarzt. Dr. Frank Hagemann spritzt dem kleinen Kater einen Chip unters Fell - ungefährlich für das Tier. Wichtig jedoch für seine Identifikation. Zudem nimmt der Förster für wissenschaftliche Untersuchungen Haarproben. So lassen sich die Vierbeiner leicht genetisch identifizieren. Mit verlässlichen Ergebnissen rechnet Gebhard erst in einem Jahr. Eines ist jetzt schon sicher: Nur eine naturnahe Waldbewirtschaftung bietet der Wildkatze ausreichend Lebensraum. So liegt in Gebhards Revier reichlich Totholz. Und damit schuf der Förster von Rothenbuch wieder Lebensraum für die Wildkatze. 75 hat er bereits großgezogen. Nur jede zweite Katze überlebt das erste Jahr nach der Auswilderung. Es braucht also noch viel Zeit und Engagement bis die Wildkatze in eine sichere Zukunft blickt.

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