Der kleine Eifeltiger

von Wildkatzen in der Eifel
von Manfred Trinzen, Biologische Station im Kreis Euskrichen e.V.

Während heute der Erhalt der Artenvielfalt als Verpflichtung angesehen wird, war früher das Ausrotten unerwünschter Konkurrenten, meist Beutegreifern, weit verbreitet. Dieser Tatsache verdanken" Bär, Luchs, Wolf und Fischotter ihre teils mehrhundertjährige und bis heute fortdauernde "Abwesenheit" in der Eifel. Bestrebungen im Rahmen des geplanten Nationalparks Eifel zumindest den Luchs als öffentlichkeitswirksame Geste der Wiedergutmachung wieder anzusiedeln sollten nicht den Blick davon ablenken, dass mit der Wildkatze eine ursprüngliche Katzenart in der Eifel überlebt hat, und dass der Schutz dieser Art eine rechtlich verbindliche Verpflichtung ist.

Foto: Manfred Trinzen

Die Wildkatze ist eine der seltensten einheimischen Säugetierarten. In der Roten Liste der gefährdeten Wirbeltiere in Deutschland wird die Wildkatze als stark gefährdet, in NRW als vom Aussterben bedroht eingestuft. Die Europäische Wildkatze (Felis silvestris, Schreber 1777), wie sie heute auch in der Eifel vorkommt, streift hier wahrscheinlich seit gut 8000 Jahren umher. Von der Schwesternart, der Falbkatze, der Stammform unserer Hauskatzen, trennten sich die Wege vor etwa 20.000 Jahren. Insgesamt wirkt die Wildkatze wegen ihres dichteren dicken Fells kräftiger und größer als unsere Hauskatzen. Typische Merkmale der Wildkatze sind der breite wuchtige Kopf, der dicke Schwanz mit schwarzen Ringen und schwarzem stumpfem Ende, die fleischfarbene Nase und die verwaschen getigerte Zeichnung auf graubeigem Grund. Auch im Verhalten unterscheiden sich Wildkatze und Hauskatze erheblich voneinander. Eines der wesentlichen Merkmale der Hauskatze ist ihre hohe soziale Toleranz, während die Wildkatze eher solitär lebt.

Gefährdung und Schutz

Trotz der Unterschutzstellung der Wildkatze 1934 gibt es bisher weder ausreichendes Wissen über die Lebensraumansprüche der Art, noch gab es bis vor wenigen Jahren nennenswerte Bemühungen zur praktischen Umsetzung von Schutzkonzepten. Erst in letzter Zeit wird verstärkt versucht, über Artenschutzprojekte in Rheinland-Pfalz, im Saarland, in Thüringen sowie durch das Artenschutzprojekt der Biologischen Station im Kreis Euskirchen in NRW diese Lücke zu schließen.

Foto: Manfred Trinzen

In den Bundesländern Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen liegt heute das westliche deutsche Verbreitungszentrum der Wildkatze. Die Eifel beherbergt die wohl zahlenmäßig größte und bedeutendste Wildkatzenpopulation Deutschlands. Die Verbreitung der Art ist heute auf inselartige Areale begrenzt. Da eine Vernetzung dieser Verbreitungsräume durch Waldkorridore derzeit nicht realistisch erscheint, kommt dem Erhalt der überlebensfähigen Teilpopulationen eine besondere Bedeutung zu. Hieraus ergibt sich für die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz eine besondere Verantwortung.

Foto: Hans Glader

Die aktuelle Bestandshochrechnung der Wildkatze in der Nordeifel ergibt ca. 200-250 Tiere, für die gesamte Eifel dürfte die Zahl bei etwa 1000 Wildkatzen liegen. Besiedelt werden vor allem große zusammenhängende Waldgebiete. Ein Informationsnetz zur Sammlung von Totfunden, meist Verkehrs-opfern, wurde aufgebaut. Der Vergleich der Totfunde mit historischem Material lässt den Schluss zu, dass es in der Eifel noch "reine" Wildkatzenbestände gibt. Die genetischen Untersuchungen ergaben allerdings auch, das es vereinzelt zu Kreuzungen zwischen Haus- und Wildkatze kommen kann. Das Ausmaß und die Konsequenzen für die Wildkatzenpopulation müssen weiter untersucht werden.

Die Wildkatzenpopulation in der Eifel ist insbesondere durch Zerschneidung der Lebensräume durch Verkehrswege, direkte Verkehrsmortalität, versehentliche Totfänge und zunehmende Erschließung und Beunruhigung bzw. Nutzung der Wald- und Waldrandflächen gefährdet.

Artenschutzprojekt

Foto: Hans Glader

Ziel des "Artenschutzprojektes Wildkatze" ist es, gangbare Wege aufzuzeigen, welche Strategien im Rahmen von Naturschutzmaßnahmen verfolgt werden müssen, um die Wildkatzenpopulationen zu stabilisieren bzw. die Verbreitungs-gebiete auszudehnen und zu vernetzen. In diesem Zusammen-hang kommt der Wildkatze im geplanten Nationalpark Eifel eine besondere Bedeutung zu, da sie wie keine andere verbliebene Beutegreiferart, als Leitart für große Waldgebiete gelten kann. Die Aufklärung "betroffener" Zielgruppen wie Jäger, Förster, Landwirte, Vertreter der Landespflege-behörden und Forstverwaltung, Landschaftsplaner etc. ist eine weitere wichtige begleitende Maßnahme.

Ganz aktuell stellt sich im grenznahen Raum das Schleifen der Westwallbunker als Problem für den Artenschutz dar. Jedes Jahr werden ca. 30-50 dieser Anlagen im Untersuchungsraum mit hohem finanziellen Aufwand "eingeebnet". In einigen Bunkeranlagen wurden Wildkatzen nachgewiesen, zum Teil zogen sie dort über Jahre ihre Jungen groß. Die Besiedlung höheren Lagen des Grenzgebietes scheint derzeit erst durch das Vorhandensein der Bunker, die auch in harten Wintern als Unterschlupf dienen können, möglich zu sein. Ziel muss es sein diese Anlagen, aber auch weitere für den Naturschutz relevante Anlagen zu erhalten. Derzeit erarbeitet die Biologische Station eine Studie, in der exemplarisch ca. 400 Bunkeranlagen kartiert und auf ihre naturschutzfachliche Bedeutung hin untersucht und bewertet werden.

Die derzeitige Bestandszunahme der Wildkatze ist erfreulich, bedingt aber potenziell auch eine Erhöhung der Kontaktrate zwischen Wildkatze und Hauskatze und damit die Zunahme der Gefahr von Kreuzungen und der Übertragung von Virusinfektionen von der Hauskatze auf die Wildkatzenpopulation. Ziel einer auf zwei Jahre angelegten und im Februar 2002 begonnenen Telemetriestudie der Biologischen Station im Kreis Euskirchen, bei der Wildkatzen gefangen und mit Minihalsbandsendern ausgerüstet werden, ist es, eine detaillierte umfassende Studie zur derzeitigen Situation der Wildkatze exemplarisch für die Eifel vorzulegen und eine Prognose für den Fortbestand der Art aufgrund der Analyse der Gefährdungsfaktoren zu erstellen. Derzeit streifen vier besenderte Wildkater durch das deutsch-belgische Grenzgebiet.

Noutdengscht